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Gute Drogen, schlechte Drogen?
Der „war on drugs“ ist nicht erst in den vergangenen
Jahren gescheitert.
Verloren war er in dem Augenblick, da er begonnen wurde.
Der Mensch der Gegenwart kann vieles entbehren – Gott
und die sichere Rente, die Ayurveda-Therapie und das Gespräch mit dem Nachbarn,
die Utopien und zur Not sogar die täglichen Börsenkurse – , aber ohne Drogen
kommt er selten aus. Noch keine Gesellschaft war so scharf auf die geilen Kicks
und Antidepressiva, so abhängig von injizierter, geschluckter und inhalierter
Betäubung wie die, in deren Namen der Krieg gegen die Drogen geführt wird.
Frankfurter Rundschau vom 28.12.2011
von Christian
Bommarius
Die Ursache liegt auf der Hand. Die Abhängigkeit ist
der Preis der Freiheit, als die sich der Verlust von Lebenssicherheit
empfiehlt. Sie macht die Freiheit erst erträglich. Der Mensch der Gegenwart ist
ein aufgeweckter Mensch, denn der Schlaf ist in jeder Apotheke käuflich, er ist
voller Zuversicht, denn er kaut die Tabletten. Der Mensch der Gegenwart lebt
gut oder schlecht, aber kaum je ohne Beipackzettel, er steigt auf oder ab, doch
stets in Begleitung seiner Dosis, er sagt Ja, Ja oder Nein, Nein, nur ohne seine
tägliche Ration bringt er kein Wort heraus.
So lebt der Mensch der Gegenwart.
Vier Millionen werden kriminalisiert
In Deutschland leben 1,4 Millionen Medikamenten- und
2,5 Millionen Alkoholabhängige, darunter 400.000 Menschen über 60 Jahre. Jedes
Jahr sterben 73.000 Menschen an Alkoholismus, 110.000 an den Folgen des
Rauchens. Ganz gleich aber, wie die Süchtigen leben und sterben – wegen dieser
Süchte war und ist keiner von ihnen vorbestraft.
Kriminalisiert aber werden die vier Millionen –
gelegentlichen oder regelmäßigen – Konsumenten von Haschisch und Marihuana.
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