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Neue Studie: Forscher finden kaum Computerspielsüchtige

Online-Rollenspiele machen süchtig, behauptet das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen. Eine neue Studie kommt zu einem anderen Ergebnis: Demnach erfüllen nur sehr wenige Spieler Abhängigkeits-Kriterien - und die Ursachen sind nicht primär in den Spielen zu suchen.

Spiegel Online, 16.02.2011
Von Christian Stöcker

Zehntausende Jugendliche hat das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) vor einigen Jahren befragen lassen - mit einem erschreckenden Ergebnis: Drei Prozent der Jungs in der neunten Jahrgangsstufe und noch einmal 0,3 Prozent der Mädchen, so das Ergebnis, seien abhängig von Computerspielen. In erster Linie von Online-Rollenspielen wie "World of Warcraft" (WoW). Hochgerechnet bedeute das, dass allein in dieser Altersgruppe über 14.000 Jugendliche in Deutschland "süchtig" seien nach der Flucht in die Spielwelten, hieß es damals. KFN-Chef Christian Pfeiffer fordert seitdem, Suchtgefahr als Kriterium für Spiele-Jugendschutz zu berücksichtigen. Und Spiele wie "WoW" am besten gleich als "ab 18" einzustufen.

Jetzt hat sich eine Forschergruppe im Auftrag der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen des Themas noch einmal angenommen - und kommt zu völlig anderen Ergebnissen. Die Studie, die von Forschern des Hamburger Hans-Bredow-Institutes und von der Fachhochschule Köln durchgeführt wurde, war deutlich breiter aufgestellt, auch wenn die absolute Zahl der Befragten niedriger lag. Eine bevölkerungsrepräsentative Stichprobe sollte alle abdecken, die in Deutschland tatsächlich Computerspiele spielen - das sei bereits jetzt etwa ein Drittel der Bevölkerung, so die Autoren.

Horde von Suchtkranken an deutschen Schulen?

Zentrales Ergebnis: Mit dem gleichen Fragebogen, den das KFN entwickelt und verwendet hatte, kamen die Forscher aus Hamburg und Köln zu ganz anderen Ergebnissen. 0,9 Prozent der Befragten lagen demnach über dem Schwellenwert für die Einstufung "gefährdet", nur 0,5 Prozent über dem Wert für "abhängig". In konkreten Zahlen bedeutet das: Von den 600 befragten Deutschen erfüllten ganze drei die vom KFN aufgestellten Kriterien für "Abhängigkeit". Wobei die Autoren der neuen Studie betonen, es handele sich dabei ohnehin "um keine Diagnose von 'Computerspielabhängigkeit' im Sinne eines klinischen Störungsbildes". Sucht kann man nicht mit einem ad hoc generierten und massenweise verteilten Fragebogen diagnostizieren - das gesteht mittlerweile auch KFN-Chef Pfeiffer ein. Sein Institut arbeitet gerade an einer weiteren Studie, die das Thema mit einer Längsschnitt-Methode erneut angehen soll.

Die deutschen Computerspieler ab 14, die für die nun vorgestellte Studie der Forscher aus Hamburg und Köln befragt wurden, spielen im Schnitt etwa 6,25 Stunden pro Woche. 17 Prozent seien "exzessive" Spieler, so die Autoren, die im Schnitt mehr als 90 Minuten pro Tag spielten. In dieser Gruppe seien Männer, Jugendliche und junge Erwachsene besonders häufig vertreten. Die KFN-Studie betrachtete also primär eine Gruppe, in der exzessives Spielen ohnehin häufig ist - und ihre Autoren interpretierten ihre Ergebnisse als Beleg für eine Horde von Suchtkranken an deutschen Schulen.

In einem Punkt drücken die Autoren der neuen Studie sich sehr deutlich aus: "Problematische Computerspielnutzung wird nicht durch ein konkretes Spiel bzw. Spielgenre verursacht."

Weiterlesen: Spiegel Online

 

 

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