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Straßenbiertrinker
Prost, Alter, wir sind die Coolsten!
Jede Epoche hat ihre Nervensägen. In seinem Buch
"Meide deinen Nächsten" beschreibt Stadtneurotiker Reinhard Mohr die
Plagegeister der Gegenwart. SPIEGEL ONLINE bringt Auszüge: Diesmal poltert der
Autor gegen Szene-Typen, die mit Bierpulle am Hals durch die Straßen ziehen.
SPIEGEL ONLINE, 13.
September 2010
Nein, es geht nicht um den Alki von nebenan, den
bedauernswerten Menschen, dessen letzter und einziger Trost Bier und Schnaps
sind, die täglichen Betäubungsmittel seines wenig erfreulichen Daseins, kurz:
um den klassischen Alkoholiker. Es geht um jene schicken jungen Menschen, die
teils schon mittags, überwiegend aber am frühen Abend und erst recht nachts
durch die Straßen ziehen und ihre Bierflasche in der rechten Hand halten wie
ein cooles Accessoire. So schlendern sie durch das Dickicht der Städte und
nehmen ab und an einen Schluck aus der schlanken Marken-Pulle, die erstaunlicherweise
stets halb leer ist. Es muss also, geostrategisch gut verteilt, überall
Krombacher-, Jever-, Flens- und Köpi-Tankstellen geben, an denen sich die
Jeunesse Ivresse, die Party-Generation der Bessertrinkenden, immer wieder mit
frischem Bölkstoff versorgen kann.
Von Ferne erinnert das legere Mitschleppen des
abgefüllten Gerstensafts an glutheiße Sommer in New York, wo viele, vor allem
jüngere, sportliche Bürger, ihre Plastikwasserflasche in der Hand tragen, als
liefen sie andernfalls Gefahr, mitten in Manhattan zu verdursten. Life is
adventure, wollen sie uns mitteilen, gefährlich und aufregend zugleich. Und es
macht durstig. Bei besonders gut gebauten und eher spärlich bekleideten
WasserflaschenträgerInnen fühlt man sich an die Campari-Werbung erinnert: Das
Leben als mobil-erotischer Dauerspaß rund ums flüssige Produkt. Und alles
outdoor, immer schön draußen. Viele sehen dabei aus, als kämen sie gerade vom
Hochsprungtraining in der Bronx oder bereiteten sich schon auf den nächsten New
York Marathon über die Brooklyn Bridge vor.
Die
Flasche - perlernder Mitgliedsausweis der happy crowd:
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