Mexikos Drogenkrieg
Tödlicher Terror im Reich des RauschsMexikos Drogenbosse
fordern den Staat heraus. Jetzt haben Militärs einen mächtigen Gangster getötet
- doch ob die Regierung den brutalen Kampf gegen die Kartelle gewinnen kann,
ist offen. Die entscheidende Rolle haben die USA mit ihren laschen
Waffengesetzen und ihrer ineffizienten Drogenpolitik.
SPIEGEL
ONLINE, 30. Juli 2010
Von Lars Halter, New York
*****************************************************
Einführendes Video zum
Thema von SPIEGEL ONLINE
*****************************************************
Träge schleppt sich der
Verkehr auf zunächst zwei, dann fünf Spuren in Richtung Grenze. Die Sonne über
dem Städtchen Nogales im US-Bundesstaat Arizona
brennt, und die Fahrer schwitzen - die meisten wegen mehr als 40 Grad Hitze.
Andere, weil sie Waffen von Nord nach Süd schmuggeln.
Gefasst werden Letztere
selten. Die Grenzer sind überlastet. Waffen aus Arizona für Mexiko - das ist
ein riesigen Geschäft. Das importierte Kriegsgerät wird im mexikanischen Drogenkrieg benötigt, um Richter und
Polizisten zu töten, rivalisierende Gangster und Schmuggler, auch unschuldige
Passanten.
Der Grenzübergang bei
Nogales ist eine Front im langwierigsten Krieg der USA: dem "Krieg gegen
die Drogen", den Präsident Richard Nixon vor fast vierzig Jahren
ausgerufen hat. Von Mexiko in die USA werden Drogen aller Art geschmuggelt, in
die umgekehrte Richtung kommen die Waffen. Es ist ein Multimilliardengeschäft,
höchst lukrativ für die Banden, und deshalb kämpfen sie mit äußerster
Brutalität. Der Konflikt zwischen der Regierung, den Kartellen und den Banden
untereinander fordert jedes Jahr mehr Opfer als die Kriege in Irak und
Afghanistan. Ein Sieg scheint aussichtlos.
Spektakuläre Festnahmen
wie nun der Schlag gegen das Sinaloa-Drogenkartell werden zwar als Erfolg der
Regierung gefeiert - mexikanische Soldaten haben den Drogenboss Ignacio
"Nacho" Coronel in der Stadt Guadalajara getötet. Aber es ist eben
nur eine gewonnene Schlacht. Keiner weiß, wer die nächste gewinnt.
Rund 25.000 Menschen sind
seit 2006 in diesem Krieg umgekommen. Immer wieder haben die Regierungen der
USA und Mexikos versprochen, die Entscheidung in dem Konflikt zu suchen.
Zuletzt starteten 2008 der damalige US-Präsident George W. Bush und sein
mexikanischer Kollege Felipe Calderón die "Merida Initiative" - 1,4
Milliarden Dollar sagten die USA zu, das meiste Geld ging in die Sicherung der
mehr als 3000 Kilometer langen Grenze. Es half wenig.
Weiterlesen,
Hintergrundinfos zum globalen Drogenkrieg und Fotostrecken zum Drogenkrieg in
Mexiko: SPIEGEL ONLINE
|