Zum Schutz der
Abhängigen
Dirk Schäffer plädiert für eine kontrollierte
Drogenabgabe an erwachsene Süchtige
Heute
findet bundesweit der jährliche Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher
statt. Seit 1998 wird der Tag am 21. Juli bundesweit begangen. Über
Drogenopfer, Lebensverbesserungen für Abhängige und Proteste gegen
Selbsthilfeeinrichtungen der Drogenhilfe sprach ND-Autor Markus Bernhardt mit
DIRK SCHÄFFER.
Neues Deutschland, 21.07.2010
ND: Das Motto
des
diesjährigen Gedenktages lautet »Heroin für alle, die es brauchen«. Was
genau
ist damit gemeint?
Schäffer: Im Mai 2009 veränderte der Bundesgesetzgeber mit den Stimmen
der
Oppositionsparteien das Betäubungsmittelgesetz. Diamorphin, also
synthetisch
hergestelltes Heroin, soll unter bestimmten Bedingungen unter ärztlicher
Kontrolle zur Behandlung von Opiatabhängigen eingesetzt werden. Hiermit
wird
die Palette der zur Verfügung stehenden Medikamente zur Substitution um
ein
wichtiges Präparat erweitert. Dies hilft Menschenleben zu retten.
Nun geht es
darum,
dass überall dort, wo es Menschen gibt, die eine solche Behandlung mit
Diamorphin benötigen, auch entsprechende Behandlungsangebote entstehen.
Die Selbsthilfeorganisationen mussten viel Kraft aufbringen, um die
Versorgung
von sogenannten Schwerstabhängigen mit Diamorphin durchzusetzen. Haben
Sie nun
alles erreicht?
Die Änderung des
Betäubungsmittelgesetzes war ein erster wichtiger Schritt. Nun geht es
in die
Phase der Umsetzung in den Kommunen und hier zeigen sich bereits die
ersten
Schwierigkeiten. So haben der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) – die
Selbstverwaltung der Ärzte und Krankenkassen – Richtlinien, unter denen
die
Diamorphinbehandlung stattfinden kann, die in einigen Punkten über die
Bestimmungen des Gesetzgebers hinausgehen. Viele Fachverbände und
Betroffene
haben nun die Sorge, dass aufgrund dieser hochschwelligen Richtlinien
eine
bedarfsgerechte Versorgung unmöglich wird.
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