Voll drauf?
Drogenkonsum: Fachstelle „Chill Out“ sieht vor allem
Gefahr durch immer schlechtere Qualität
PNN vom 04.03.10
Von Henri Kramer
Bei
Jugendlichen ist Kiffen out, Kokain dagegen in. Das meinen zumindest die
Suchtexperten von „Chill out“, der Potsdamer Fachstelle für Konsumkompetenz,
die seit Jahren für die Drogenberatung in der Stadt zuständig sind. „Kiffen
gilt nach seiner Hochzeit in den 90er Jahren mehr und mehr als out“, sagt
„Chill Out“-Leiter Rüdiger Schmolke. Bundesweit würde sich Kokain ausbreiten,
wegen des hohen Preises allerdings auf niedrigem Niveau. Eine Sozialarbeiterin
bestätigt das auch für Potsdam: Sie habe bereits mit Jugendgruppen zu tun
gehabt, bei denen einige „voll auf Kokain“ waren.
Wie
verbreitet Partydrogen wie Ecstasy und das sogenannte „GBH“ – auch „Liquid
Ecstasy“ genannt – überhaupt in Potsdam sind, bleibt unklar. Bei der Polizei
wird für die Landeshauptstadt ein Anstieg der Verstöße gegen das
Betäubungsmittelgesetz registriert: 333 Fälle gab es 2009, im Jahr zuvor 267.
Von aktuell 294 Tatverdächtigen waren 105 unter 21 Jahren alt – darunter auch
zwei Kinder.
Eine andere Entwicklung hat im vergangenen Jahr eine Umfrage des
Landesgesundheitsamts unter Potsdamer Jugendlichen skizziert. Dabei wurden 900
Schüler zwischen 14 und 18 Jahren unter anderem gefragt, ob sie schon einmal
Haschisch probiert hätten – 78 Prozent der Teilnehmer sagten „noch nie“. Bei
einer Vergleichsumfrage vier Jahre zuvor hatten 68 Prozent noch keine Erfahrungen
mit „Gras“ gemacht.
Nach Kokain wird in der Umfrage des Gesundheitsamts nicht
gefragt. Die einzige chemische Droge, um die es geht, ist Ecstasy. Nahezu
unverändert blieb laut der Umfrage der Konsum dieser besonders in der
Techno-Szene beliebten Tabletten: 95 Prozent der Potsdamer Jugendlichen wollen
sie noch nie probiert haben, vor vier Jahren waren es 93 Prozent. Zudem ist
auch der Prozentsatz jener Jugendlichen gesunken, die wöchentlich eine
Ecstasy-Pille nehmen: Von 0,7 auf 0,1 Prozentpunkte.
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