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Neuro-Enhancement –
Verbreitung, Chancen und Risiken
Workshop-Angebot
im Rahmen des 16. Kongresses Armut & Gesundheit
- Neurodoping
im Studium
Katrin
Lohmann, Freie Universität Berlin
- Neuroenhancement
– Chancen für Benachteiligte?
Isabella
Heuser, Charité-Universitätsmedizin Berlin
- Neuroenhancement:
Chancen und Risiken?
Thomas
Bar, Bundespsychotherapeutenkammer, Berlin
Moderation:
- Anneke
Groth, Verbund für integrative soziale und therapeutische Arbeit
gGmbH (Vista), Berlin
- Rüdiger
Schmolke, Suchtpräventionsfachstelle Potsdam, Chill
out e.V.
Am 03.12.2010 (16:15
– 17:45 Uhr)
Ort:Rathaus
Schöneberg, Berlin
Informationen
und Anmeldung zum Kongress auf gesundheitberlin.de
Neuro-Enhancement:
Chancen und Risiken
Rüdiger Schmolke
Info_Dienst
Gesundheit Berlin-Brandenburg 03/10
Die
Berichte über die zunehmende Verbreitung so genannten Neuro-Enhancements (NE) reißen seit geraumer Zeit auch in
Deutschland nicht ab. Im engeren Sinne kann unter NE die gezielte Steigerung
der kognitiven Leistungs- und emotionalen Verarbeitungsfähigkeiten mit Hilfe
von Medikamenten beschrieben werden, ohne dass eine medizinische Indikation
vorliegt.
Neben
der Debatte darum, ob die stark ansteigenden Verschreibungen von Methylphenidat
(Ritalin) empirisch und ethisch
gerechtfertigt sind, betrifft dies auch den Arzneistoff Modafinil (Vigil), dessen konzentrationsfördernde
Eigenschaften bislang vor allem in den USA zu einer bedenklichen Verbreitung als
„Hirndoping“-Substanz vor Prüfungen und am Arbeitsplatz geführt hat.
In
Deutschland stellte der DAK-Gesundheitsreport 2009 mit Hilfe einer
repräsentativen Befragung von 3.000 Arbeitnehmern fest, dass fünf Prozent von
ihnen bereits chemische Mittel zur Verbesserung der psychischen
Leistungsfähigkeit eingenommen haben.
Ein
Workshop im Rahmen des Kongresses Armut & Gesundheit widmet sich daher der
Relevanz des Themas heute und wagt einen Ausblick in die Zukunft. Dabei sollen
die ethischen Fragen, die sich mit NE verbinden, im Mittelpunkt stehen.
Dr. Katrin Lohmann stellt für eine
Forschungsgruppe des Instituts für Prävention und psychosoziale
Gesundheitsforschung der FU Berlin Ergebnisse einer neuen Studie vor, die u. a.
die Bereitschaft von FU-Studierenden untersucht, zu Mitteln des „Neuro-Dopings“
zu greifen. Schon 2009 hatten die Forscher in einer Untersuchung von „Alltags-Doping“
festgestellt, dass ein beträchtlicher Teil der Studierenden Medikamente einnimmt,
meist ohne ärztliche Verordnung und zudem in einer Frequenz, die gesundheitlich
kritisch zu nennen ist.
Prof. Isabella Heuser ist Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der
Charité, Teil einer Wissenschaftlergruppe der Europäischen Akademie zur
Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen und Mitautorin
des Memorandums „Das optimierte Gehirn“,
das im November 2009 in der Zeitschrift Gehirn
& Geist veröffentlicht wurde (Downloadmöglichkeit unter http://www.gehirn-und-geist.de/memorandum).
Die Kernaussagen des Memorandums werden im Rahmen des Workshops skizziert. Die
Experten plädieren für eine möglichst unvoreingenommene, neutrale Bewertung von
NE und verweisen darauf, dass in der modernen Leistungsgesellschaft in aller
Regel besonderes Ansehen genieße, wer sich bemühe, die eigene
Leistungsfähigkeit zu verbessern. Ausgangspunkt ihrer Überlegungen ist das
Recht eines jeden entscheidungsfähigen Menschen, über sein persönliches
Wohlergehen, seinen Körper und seine Psyche selbst zu bestimmen. Diese
grundsätzliche Positionierung verdeutlicht die große Tragweite des Phänomens,
wenn man von freien, selbstverantwortlichen Individuen in einer liberalen
Gesellschaft ausgeht – und rührt doch auch an grundsätzlichen Fragen wie den (Patienten-
und Selbstbestimmungs‑)Rechten psychisch Beeinträchtigter und dem gesellschaftlichen
Umgang mit dem Gebrauch gänzlich illegalisierter psychoaktiver Substanzen. Andererseits
verweisen die Autoren selbst auf die heute kaum abschätzbaren Risiken eines
entstehenden „Nötigungsdrucks“, sollte NE künftig soweit enttabuisiert und
verbreitet sein, dass diejenigen um ihre gesellschaftlichen Beteiligungschancen
fürchten müssen, die Leistungssteigerung durch Medikamente eigentlich ablehnen.
Dr. Thomas Bär, Mitarbeiter der
Bundespsychotherapeutenkammer, rundet den Workshop ab mit einer kritischen
Sicht auf individuelle Risiken des dauerhaften Gebrauchs psychotroper
Substanzen und der Veränderung gesellschaftlicher Normen und Erwartungen an
individuelle Leistungsfähigkeit durch zunehmendes NE.
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